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Wertvolle Tipps zum Wintermantelkauf

“Wann wurde es plötzlich sooo kalt? Früher war es doch nie so eiszapfenkalt!” – Ich gebe es ungerne zu, aber ich gehöre auch zu jenen, die versuchen bis Mitte November mit dem herbstlichen Übergangsmantel anstelle der dicken Winterjacke herumzulaufen, weil ich Angst habe, in den noch kälteren Monaten sonst nicht mehr aufrüsten zu können.


Ich gehöre deshalb auch zu denen, die Petrus, dem Klimawandel und all dem anderen Bösen auf der Welt die Schuld daran geben, weshalb ich draussen wie Espenlaub zittere. Dabei habe ich eine tolle Winterjacke, die mich seit über 6 Jahren warm und trocken hält. Diese habe ich nun auch voller Vorfreude wieder aus dem Sommerschlaf geholt. Allen, die ebenfalls noch in ihren dünnen Übergangsjacken vor sich hin schlottern oder sich aus anderen Gründen einen neuen Wintermantel zutun wollen, sollten sich vor dem Gang zum Kleidergeschäft die folgenden Tipps zu Herzen nehmen. 


Obermaterial



Bei vielen sorgen die Materialangaben bei Jacken und Mänteln eher für Verwirrung als Aufklärung. Polyacryl, Polyester, Polyamid oder auch Abkürzungen wie WO, PES, PA, und PAN könnten ebenso gut durch Chinesische Schriftzeichen ersetzt werden. Bei den Mischungen gibt es keine Zauberformel, der man folgen könnte. Generell sollte aber folgendes beachtet werden:


Die am besten isolierenste Naturfaser ist die Wolle. Daher können Mäntel und Jacken auch vollständig aus Wolle hergestellt werden. Baumwolle hingegen gehört zu den “kalten Fasern”. Denn sie speichert die Wärme, die wir abgeben nicht gut und wird so meist nur für Jacken verwendet die mit einem dicken Futter ausgestattet sind. Beide Fasern haben jedoch einen entschiedenen Vorteil: Dadurch das ihr Querschnitt nicht glatt ist, saugen sie Feuchtigkeit teilweise auf und geben sie auch gegen aussen ab. Zumal Wolle durch ihre Struktur einen optimalen Temperaturausgleich ermöglicht. So haben wir in Woll- und Baumwollgeweben nie oder selten das Gefühl zu schwitzen.


Sie haben aber auch Nachteile. Erstens gelangt Feuchtigkeit nicht nur nach aussen sondern auch nach innen und Wolle und Baumwolle sind nicht immer sehr windabweisend. Daher werden die natürlichen Fasern meist mit synthetischen Chemiefasern wie etwa Polyester, Polyamid oder Polyacryl, kurz Acryl (das bekannteste Wollimitat), gemischt. Die Fasern haben den Vorteil sehr gut isolierend und wind- und wasserabweisend zu sein. Sie haben aber auch einen sehr grossen Nachteil: Synthetikfasern haben meist einen glatten Querschnitt, was den Feuchtigkeitsaustausch verhindert. Das Resultat: Wir schwitzen. Zumal sie auch zu gut isolieren können, sodass kein Temperaturausgleich möglich ist. Das Resultat: Wir schwitzen.


Es ist daher zu empfehlen, Mäntel zu wählen, die einen möglichst hohen Wollanteil (resp. Baumwollanteil) haben. Das widerspiegelt sich dann aber auch im Preis: Naturfasern sind teurer als synthetische Chemiefasern, die aus billigem Erdöl hergestellt werden. Ohne überheblich klingen zu wollen, sollte man sich daher an der Grundsatz halten: An einer Jacke unter 150.- wird man nicht länger als eins, zwei Saisons Freude haben, da sie ziemlich sicher aus minderwertigen Stoffen gemacht wurde. Qualität hat eben seinen Preis.


Futter



Meistens werden für das Futter Polyesterstoffe  oder Polyamidstoffe verwendet. Auch Dacron, Diolen oder Trevira sind Handelsbezeichnungen für Polyester. So wie Perlon oder Nylon andere Namen für Polyamid sind. Auch hier sollte bedacht werden, dass wir in diesen Geweben, auch wenn sie dünner sind als die Oberstoffe, schneller schwitzen. Denn auch bei dünneren Materialien, die  häufiger einen glatten Querschnitthaben, da mit ihnen geschmeidige Seide und nicht etwa bauschige Wolle imitiert werden will, ist der Feuchtigkeitsaustausch nicht möglich.


Es sollte also wenn immer möglich darauf geachtet werden, dass auch der Futterstoff ein Mischgewebe ist oder aus Baumwolle oder auch Cupro besteht. Letzteres ist eine zellulosische Chemiefaser, also eine Faser die aus pflanzlicher Zellulose (meist aus Holz) hergestellt wurde und die gleichen positiven Eigenschaften wie Baumwolle aufweist. Im Gegensatz zur Baumwolle sind Cuprogewebe jedoch auch glatt und schimmernd, was für ein angenehmes Tragegefühl und ein schöneres Aussehen sorgt.


Knöpfe



Knöpfe werden in der Regel maschinell angenäht, aber bei Qualitätskleidung werden die verwendeten Nähfäden noch von Hand versäubert. Vor dem Kauf einer Jacke oder eines Mantels sollte immer eimal fest an mehreren Knöpfen gezogen werden, um sicher zu gehen, dass sie auch halten. Abstehende Fäden die aus einem der Löcher im Knopf schauen, sind häufig ein Indiz dafür, dass der Nähfaden nicht versäubert wurde. Der Knopf also schnell mal abfällt, wenn man kräftig an diesem Faden zieht.


Bei allen Knöpfen, die also zum Öffnen und Verschliessen der Jacke und nicht zur Dekoration gedacht sind, ist es zudem wichtig, dass sie einen “Hals” haben. Das heisst, der Knopf sitzt nicht direkt auf dem Stoff sondern steht wie ein Pilz auf einem kurzen Stiel. Dieser Hals muss fest sein. Er entsteht durch einen Faden, der um die anderen Fäden, die zwischen dem Knopf und dem Oberstoff flottieren, gewickelt ist. Der Hals der Knopfes ist wichtig, damit der Oberstoff auf der Knopflochseite zwischen dem Knopf und dem Jackenstoff genügend Platz haben. Zumal weniger Zug auf dem Knopf ist, wenn darunter genügen Raum für den Gegenstoff ist.


Gegenknöpfe



Eben so wichtig wie der Hals beim Knopf ist ein Gegenknopf auf der Innenseite der Knopfleiste. Er kann aus Plastik oder aus Leder sein und verhindert ebenfalls, dass beim Öffnen und Verschlissen der Jacke einen festen Zug am Oberstoff entsteht. So kann der Oberstoff weder ausbeulen noch ausreissen.


Rückenschlitz



Ich wundere mich immer wieder, dass ich Leuten aller Altersklassen und Lohnklassen begegne, die mit einem Fadenkreuz im Schlitz herumlaufen. Ich kann ja verstehen, dass jeder ohne Schneiderwissen in Sachen Materialien und Pflege ein Nachsehen hat, aber dass die Leute heute ein paar hundert Franken für eine Jacke oder einen Mantel hinblättern und sich keine Sekunde Gedanken machen für was der Schlitz im Rücken echt sein könnte, ist und bleibt für mich ein absolutes Rätsel.


Deshalb einen kleiner Exkurs: Der Rückenschlitz ist wie auch bei einem Rock dazu da, dass man mehr Weite also mehr Beinfreiheit hat. Bei leicht ausgestellten Jacken sorgen sie zudem für einen schöneren, glockenförmigen Fall des Stoffes. Wenn man das Kreuz also nicht entfernt spannt die Jacke bei kurzem Schlitz am unteren Rücken, bei langen Rückenschlitzen bei Mänteln sieht es noch doofer aus, da sich die Jacke dan eierförmig über dem zusammengenähten Schlitzende wölbt. (Auch ganz schön sind stehengelassene Kreuzfäden in rot oder gelb…)


Weshalb dieses Kreuz überhaupt dort ist? Aus dem selben Grund weshalb Taschen bei Jacken und Mäntel manchmal beim Kauf noch zugenäht sind. Diese Detailarbeiten werden zu einem Zeitpunkt ausgeführt an dem noch nicht das ganze Kleidungsstück fertiggestellt ist. Damit aber nichts verrutscht oder zerknautscht, werden Sicherheitsfäden angebracht. Das heisst eine Tasche wird grob zugenäht und ein Schlitz mit einem Kreuz geschlossen. Wenn die Kleidungsstücke dann in den Handel kommen werden diese Fäden drin gelassen, damit keinen Schmutz in die Taschen gelangt und der Schlitz nicht umgefaltet wird. Zumal lange Jacken mit geschlossenem Rückenschlitz besser verpackt werden können.


Do-it-yourself



Verliebt man sich in eine Jacke oder einen Mantel, die nahezu perfekt sind, sollte man sich auch nicht scheuen selber Hand anzulegen, um das fehlende Detail zu ergänzen. So können Beispielsweise unschöne Plastikknöpfe durch schöne Leder-, Horn- oder Holzknöpfe aus dem Fachhandel ersetzt werden. Knöpfe die schlecht angenäht sind können auch selbst neu angenäht werden und gleich mit einem Gegenknopf (aus Plastik oder Lederresten) ausgestattet werden.


Video zum Knopfannähen


Pflege


Man darf auch nie vergessen, dass die Lebensdauer eines Kleidungsstückes von der richtigen Pflege abhängig ist. Man sollte seine Wollmäntel also zwischendurch in die Reinigung geben, und Baumwolljacken imprägnieren und nur mit Spezialwaschmittel reinigen. Im Sommer sollten die Jacken in einer Schutzhülle oder einem mottensicheren Schrank aufbewahrt werden. Jacken und Mäntel nie in Plastiksäcken oder Plastikdosen lagern. Am längsten haltet eine Jacke oder ein Mantel zudem, wenn man ihn oder sie nicht jeden Tag trägt. Man sollte sich also idealerweise eins, zwei Alternativen anschaffen.


Wenn man sich also nicht gerade ein Teil in der absoluten Trendfarbe oder einem Trendmuster kauft, kann man beim Einhalten dieser Tipps sicher gehen, dass man viele, viele Jahre Freude an seinen Winterbegleitern hat.

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