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The VOGUE Factor : The real devil wears Prada too

Ende 2013 ist Lauren Weisbergers ‚The revenge wears Prada‘, die Fortsetzung ihres berühmten „The devil wears Prada“ erschienen.



‚Filmreiche Geschichte‘ dachte man sich bereits beim Lesen des ersten Romans – tatsächlich liess die Hollywood-Adaption nicht lange auf sich warten. Doch wer glaubt, die Story sei zu abgedroschen, um der Realität zu entsprechen, der sollte sich Kirstie Clements Buch ‚The Vouge Factor‘, ebenfalls 2013 erschienen, einverleiben!

Kirstie Clements arbeitete zwischen 1985 bis 2012 für die Australische Vogue. Sie stieg aber nicht etwa als Journalistin ein:‚Receptionist wanted at Vogue‘, las sie als 23-Jährige in einem Stellenanzeiger. Mit ihrer charmanten, zielstrebigen und spitzbübischen Art, schaffte sie es auch sogleich einen Fuss in die Tür des Vogue-Tempels zu stecken: «A week later I was sitting at the Vogue reception desk.»

«No, no. I would never let anyone in New York touch my hair ! » replied Karin. I decided then and there I was never going to leave.»

Schnell verliebte sie sich in die teils atemberaubende, teils bizarre Fashion-Welt. Ihren schnellen Aufstieg zu Assistentin und später zur Journalistin, bestätigte Clements auf dem richtigen Weg zu sein: «Not even six months since I started and I was off the reception desk.» Doch musste sie nicht nur ihre Brötchen – «If you wanted to be rich, it was better not to work for Vogue. Nancy, who owned a vast wardrobe of designer cloths, very generously gave me a navy Giorgio Armani jacket, knowing I couldn’t aford one»  – sondern auch ihre Anerkennung hart verdienen. ­ Clements über ihre damalige Chefin: «She is never satisfied and her relentless quest for perfection in a photograph, or indeed in everything, is equal party inspiring and exhausting.»

Clements Herzblut und die ständige Knochenarbeit machte sich jedoch beruflich bezahlt: «Vouge Men was a great opportunity for me and I gained experience, fast. » Zumal es Kirstie Clements genoss vom absurden Fashion-Strudel mitgerissen zu werden und umringt zu sein von extravaganten Chefinnen, Visagisten und hipper-ventilierenden Kolleginnen: «I was now installed in the fashion office, privy to all the conversations, the fun, the hysteria and the drama.» Die Zeit bei Vogue war vor allem in den Anfangsjahren nicht nur ein er- sondern auch ein überleben:


«Over the years I have witnessed various degrees of bullying by photographers, because on a shoot, they are considered God.»

Doch auch hier machte ihr ihre charmante, stehts kollegiale, professionelle Art das Leben leichter, wobei es Kirstie Clements sicherlich auch gut tat, sich selbst und andere nicht zu ernst zu nehmen: «I saw some awful behaviour from a lot of photographers and a few models when I was in the position of assistant, and it put me off ever becoming fashion stylist, myself. That, and the fact that I’m crap at it.» Zumal sie nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen war und Assistentinnen und Chefinnen gleichermassen auf den Boden zurückholte. Wie in einer Szene, in der eine Assistentin beinahe einen Nervenzusammenbruch erlitt, da sie für ein Shooting nicht den richtigen Schuh fand:


«I felt so sorry for her and walked back to my computer and typed out a piece of paper that said: ‚No, this is really serious. We don’t have the right shoe.‘ Than blew  it up to poster size and taped it up on the wall in the fashion office.»


Nur ihren Vorsatz die Vogue niemals wieder zu verlassen, hielt sie nicht ganz ein. Doch nach Abschweifern, wie Beispielsweise beim Konkurrenz-Blatt Harper’s Bazaar, schaffte es Kirstie Clements auf den Chefredakteurinnen-Thron. Ebenfalls einen Karrieren-Meilenstein gelang ihr als Co-Autorin des Buches ‚In Vogue. 50 Years of Australian Style‘.

Der Untertitel  von ‚The Vouge Factor‘ nämlich ‚The Inside Story of Fashion‘s Most Illustrous Magazin‘ verweist bereits darauf, dass sich Kirstie Clements in ihrem Buch nicht als Märchenerzählerin übt, sondern einen teils etwas wehmütigen, teils hinterfragenden oder gar entzaubernden Blick auf die Welt hinter der Fassade des glamourösen Hochglanz-Magazins wirft:

«Most people would assume that because you’re Vogue a red carpet is rolled out of your limousine and a minion will arrive to show you to your chair next to Anna Wintour. Ah no. You have to earn your seat on the bench.»

Hoch anzurechnen ist der Journalistin dabei die meist nüchterne, distanzierte Erzählweise, wenn man bedenkt, dass sie nach 13 Jahren als Chefredakteurin unsanft ihres Postens enthoben wurde. ‚Zum Glück verlor sie diesen‘ müsste man beinahe denken, denn wer weiss, ob dieses Buch sonst zu Stande gekommen wäre, und zum Glück hat das Buch nicht den Charakter eines überbordenden Rachefeldzuges, sondern ist eher im Biografie-Stil gehalten, der zeigt, wie Kirstie Clements ihre Vogue-Geschichte zu reflektieren und vielleicht auch abzuschliessen versucht.

Denn das Leben geht auch für eine ehemalige Vogue-Chefredakteurin weiter und nachdem Clements bereits als Kolumnistin für den Australischen ‚Sunday Telegraf‘ arbeitete und in der Jury von ‚Australian’s Next Top Model‘ sass, bleibt zu hoffen, dass ihr journalistisches und auch kreatives Talent ihren australischen und nationalen Fans noch lange erhalten bleibt.


‚The Vogue Factor‘  – von Kirstie Clements – bei books.ch – für 24.90 CHF  – English

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