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Blickfänge an der Blickfang

Es gibt nur einen Event im Jahr, dem ich schon Wochen im Voraus entgegenfiebere: Die Blickfang Designmesse in Zürich.



Welche sehnsüchtigen Blicke die eingefleischten Blickfang-Fans ihrem Kalender jeweils zuwerfen, wissen wohl auch die Initianten der Designmesse nur all zu gut. Denn sie scheuen sich nicht bereits das ganze Jahr über kleine Zückerchen in Form von E-Mails mit Informationen zur Messe und Portraits zu den Ausstellern zu versenden. Damit ein virtueller Messebesuch täglich vom Sofa aus möglich ist, kuratiert ein eigenes Team den Online-Shop und den dazugehörigen Newsletter. Kurz vor dem Event winkt einem das Blickfang-Logo dann von allerlei Schaufenstern, Plakatwänden oder sogar Servietten (Tibits Zürich) zu.



Ist so viel Werbung und Selbstbeweihräucherung nicht eher abschreckend, mag sich da manch einer fragen. Die ganzjährige Präsenz der Messe hängt aber natürlich auch damit zusammen, dass sie mittlerweile an sechs Standorten vertreten ist – dazu gehören Basel, Hamburg, München, Stuttgart, Wien und Zürich – und die Messen somit von Frühling bis Herbst stattfinden.


Zumal die Teilnehmerzahl in den letzten Jahren stetig gewachsen ist: In Zürich sind es ganze 220 aus dem In- und Ausland – darunter befinden sich dieses Jahr 60 Prozent Neulinge. Dazu kommen noch die Aussteller der Sonderschauen: Unter dem Motto „Dutch Design“ präsentieren beispielsweise dieses Jahr niederländische Designer aus verschiedenen Sparten ihre Werke (Einige Teilnehmer findet ihr unter: Dutch Designers). Sich an der Messe selbst über jeden einzelnen Designer und seine Kollektionen detailliert zu informieren, ist bei dieser Anzahl kaum möglich (jedenfalls nicht für Leute, die ohne Wanderschuhe zur Messe erscheinen), sodass ich jeweils froh bin, bereits im Vorhinein über neue Designerinnen und Designer informiert worden zu sein.


Die NEuen Zahmen und die alten wilden


Wie jedes Jahr war ich auch in diesem auf der Pirsch und habe dabei überzeugende Neulinge und bekannte Gesichter angetroffen, die mit neuen Kollektionen bei mir punkteten.



Beim deutschen Label Die Fabrik gibt es ein buntes Sortiment an nostalgischen iPod-Boxen, Plattenständern und einzigartigem Küchenzubehör wie etwa Korkenzieher aus alten Türknöpfen oder Pfeffermühlen aus Tischbeinelementen. Letztere sind alles Unikate.


Die Fabrik



Das schlichte skandinavische Design hat es Sabrina Kuhn so sehr angetan, dass sie gleich nach einem Aufenthalt im hohen Norden im Jahr 2013 ihr Designlabel Kulor gründete. Die Kollektion aus Dosen, Vasen, Bechern und Tellern zeigen nicht nur ihre Vorliebe für minimalistisches, grafische Design, sondern auch für Porzellan.


Kulor



Unter dem Namen Kagino designt Katrin Giordano schlichte Lederhandtaschen, Clutches sowie Cases und Schlüsselanhänger. Als Tochter eines italienischen Schumachers stehen für die Designerin neben Aussehen  Funktionalität und Qualität auf selber Ebene. Ihre  Accessoires aus feinstem Kalbsleder lässt sie in einer italienischen Fraktur fertigen.


Kagino



Frech, farbig schrill: Von geometrischen Formen, grafischen Mustern bis zu illustrativen Alloverprints von Landkarten, Blumen und Tieren findet man alles auf den Foulards von Foulala. Hinter den farbenfrohen Print stehen die drei Designerinnen Paola di Valentino, Livia Martinelli und Maya Peer. Ihre Seidentücher lassen sie in Italien handroulieren.


Foulala



Steinbock, Schaf, Ferkel und Kuh sind nur einige von vielen Motiven, welche die Holzkarten von Ma trouvaille schmücken. Schweizer Motive  wie Berge, Chalets, Alptiere und Schweizer Trachten zieren auch Decken, Müntz-Kässelis oder Lederanhänger für Koffer. Die Kombination von kultigen Motiven und moderner Interpretation zeigt sich auch in weiteren Objekten des Luzerner Ateliers, die alle in der Schweiz hergestellt werden.


Ma trouvaille


Blickfang Selected, Mini, Locals, Dutch Design und Swiss TExtiles

Neben den “gewöhnlichen” Ausstellern, gibt es auch solche die von verschiedenen Plattformen ausgewählt und an speziellen Standorten an der Messe präsentiert werden. Unter dem Namen “Blickfang Selected” wird Designerinnen und Designern, die noch ganz am Anfang ihrer Karriere stehen, gratis einen Ausstellungsplatz angeboten. Auch der Autohersteller Mini hat zusammen mit Jeroen van Rojien und Christian Metzler eine Handvoll junger Kreativen ausgewählt, welche sie unter dem Moto “Gentleman’s Essentials” vorstellen. Zur Förderung des Zürcher Nachwuchs sponsort die Stadtentwicklung die Plattform “Locals”. Wie bereits in Basel werden auch an der Zürcher Blickfang sechs niederländische Labels aus den Sparten Mode, Wohnaccessoires und Schmuck unter dem Namen “Dutch Design” präsentiert.



Auf der Ausstellerplattform von Mini werden unter anderem edle Filzüte von Lada präsentiert. Für warme Ohren sorgt  die Kaninmischung der Panama-, Fedora oder Homburgmodelle, für das gewisse Etwas die Lochmusterung. Die kleine Hutkollektion ist eines von vielen Projekten der Designerin Lada Vyvialova, die für verschiedenen Labels die Ready-to-wear-Linien kreiert und parallel weiteren Design- und Kunstprojekten nachgeht.


Lada



In der niederländischen Ecke zeigt Steven Banken Wohnaccesoires wie Kupferlampen. Bei Winter in Holland findet man wollige Kissen und Schals. Studio Lotte de Raadt präsentiert minimalistische Wohngegenstände, während Studio Rene Siebum kreative Stapel-Holzhocker dabei hat. Für ihre geradlinige Damenbekleiung kombiniert Sanne Jansen die gleichen fahlen Pastell- und Nudefarben mit Farbakzenten wie es Studio Lotte Douwes bei seinen Vasen und hängenden Blumengläsern tut.


Steven BankenWinter in HollandLotte de RaadtStudio Rene SiebumBy Sanne JansenLotte Douwens



Hinter Dechem Studio stehen die beiden tschechischen Designer Michaela Tomiskova und Jakub Jand’Ourek. Beide interessieren sich für Materialien und die Beschaffenheit von Objekten sowie deren geschichtlichen Hintergrund. In ihrer gemeinsamen Kollektion vereint sichTomikovas Wissen aus dem Produkt- und Interiordesign mit Jand’Oureks Wissen aus dem Bereich des Glasdesigns, welches er sich an der Fachschule in Novy Bor aneignete.


Dechem Studio



Hinter dem Label Zündstoff steht die studierte Textildesignerin Martina Zünd Gygax. Ihre Teppiche aus Leinen werden auf Kundenwunsch nach Mass in einer kleinen Schweizer Manufraktur angefertigt. Inspirieren liess sich die Zürcherin, die an der Blickfang in der “Locals”-Ecke ausstellt, vom Bauhaus-Stil und fertigen sowie halbfertigen Skizzen exotischer Pflanzen.


Zündstoff



Zusammen mit dem Design Preis Schweiz präsentiert Swiss Textiles an der Blickfang die drei aufstrebrenden Schweizer Labels Huber&Egloff, Julian Ziegerli und Lyn Lingerie. Alle drei verbindet ein hoher Grad an Innovativität und Qualität wobei das Designkonzept im Vordergrund steht. Mit Auftritten an der Modeschau Mode Suisse und Shows und Kooperationen im Ausland sind diese Jungdesigner eigentlich schon beinahe alte Hasen im Spiel.


Huber & EgloffJulian ZiegerliLyn Lingerie


Besucht die Blickfang 2015 in Zürich

Die Blickfang im Zürcher Kongresshaus, Claridenstrasse 5 (Nähe Bürkliplatz) läuft noch bis morgen, Sonntag, den 22.11.15, um 19.00 Uhr. Der Eintritt kostet 23.- Franken.